GEFA Planungsbuch 2026

BAUMGEWICHT IN DER BAUMPFLEGE UND -PLANUNG Einführung, Bedeutung und praxisorientierte Hinweise

Das Thema Baumgewicht ist in der Baumpflege, Baumstatik und im urbanen Grünmanagement von großer Bedeutung. Das Gesamtgewicht eines Baumes – einschließlich Wurzel werk, Stamm, Ästen, Zweigen und Blattwerk – beeinflusst maßgeblich seine Standfestigkeit, Windanfälligkeit sowie die Belastung für bauliche Unterbauten und die Bodenstruktur. Für Fachkräfte in Baumschulen, Landschaftsarchitektur, Stadtpla nung und Baumpflege ist das Verständnis der Gewichtsdyna miken unerlässlich, um die richtige Auswahl, Pflanzung und Pflege von Bäumen zu gewährleisten.

Belastung von Unterbauten und Verkehrsflächen: Insbeson dere bei Baumstandorten über Kanälen, Leitungen oder Parkdecks sind Kenntnisse über das Baumgewicht und die damit einhergehenden Lasten entscheidend. Zu schwere Bäume können bauliche Schäden verursachen oder die Tragfähigkeit von Flächen übersteigen. Auswirkungen auf Bodenverdichtung: Das Gewicht eines Baumes wirkt sich über die Wurzeln auf die Bodenstruktur aus. Schwerere Bäume mit hohen Standlasten können zu vermehrter Bodenverdichtung führen, was wiederum die Wurzelentwicklung hemmt. Transport und Pflanzung: Die Gewichte von Ballen oder Containerpflanzen sind bei Transport und Pflanzlogistik relevant. Überschreitung der Traglasten von Maschinen oder Transportmitteln kann zu Sicherheitsrisiken führen und Mehrkosten verursachen. Die Ermittlung des exakten Baumgewichts ist im Praxisalltag komplex. Baumschulpublikationen empfehlen daher oft praxis nahe Näherungsverfahren: Volumenberechnung des Stammes und der Äste mittels Durchmesser- und Längenmessung in Kombination mit spe zifischen Holzdichten je Baumart. Standardisierte Gewichtstabellen basierend auf Stammum fang, Baumhöhe und Art, die als Richtwerte dienen. Digitale 3D-Modelle und Fernerkundung bieten zunehmend genauere Schätzungen, sind aber noch nicht flächende ckend verfügbar. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen „trockenem“ Holzge wicht und dem tatsächlichen Gewicht mit Wassergehalt, da Holz bis zu 50 % seines Gewichts durch Wasser ausmachen kann, besonders im lebenden Baum. 3. ERMITTLUNG UND ABSCHÄTZUNG DES BAUMGEWICHTS

1. GRUNDLAGEN ZUM BAUMGEWICHT

Das Baumgewicht setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen:

Wurzelmasse: Oft schwer zu erfassen, aber essenziell für die Verankerung und Aufnahme von Wasser und Nährstof fen. Stammmasse: Der Holzanteil im Stamm ist ein großer Teil des Baumgewichts. Dabei variiert die Holzdichte stark zwi schen Arten und Baumalter. Ast- und Zweigmasse: Variiert je nach Kronenform, Schnitt maßnahmen und Jahreszeit. Laubmasse: Unterliegt jahreszeitlichen Schwankungen und beeinflusst temporär das Gesamtgewicht. Baumschulpublikationen weisen darauf hin, dass sich das Gewicht eines Baumes nicht allein aus der Höhe oder dem Stammumfang ableiten lässt. Vielmehr müssen eine Vielzahl von Parametern berücksichtigt werden, wie Holzart, Feuchtig keitsgehalt und Wachstumszustand.

2. BEDEUTUNG DES BAUMGEWICHTS IN DER PLANUNG UND PFLEGE

Standfestigkeit und Windlasten: Das Gewicht zusammen mit der Kronenstruktur bestimmt, wie ein Baum auf Wind lasten reagiert. Ein zu schwerer Baum bei gleichzeitig flachem Wurzelsystem kann instabil werden und erhöhte Bruchgefahr bergen. Die Statik von Bäumen sollte vor allem in urbanen Bereichen mit erhöhten Risiken genau bewertet werden.

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