GEFA Planungsbuch 2026

DAS PRINZIP MYKORRHIZA Eine 140 Jahre alte Erkenntnis

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte der Berliner Bota niker Prof. Frank, beauftragt mit der Zucht von Trüffeln, eine be merkenswerte Symbiose: Die Pilzfruchtkörper wuchsen stets in Verbindung mit den Feinwurzeln bestimmter Baumarten. Diese Wurzeln waren gedrungener, stärker verzweigt und anders ge färbt als gewöhnliche Wurzeln. Frank prägte dafür den Begriff „Mykorrhiza“ (griech. mykes = Pilz, rhiza = Wurzel). Seit dieser Entdeckung weiß man, dass nicht nur Delikatessen wie Trüffel, sondern viele weitere Pilzarten – essbare, ungenießbare und so gar giftige – in dieser Lebensgemeinschaft vorkommen.

Endo-Mykorrhiza die unsichtbare Symbiose Das Wort endo (griech. „innen“) weist darauf hin, dass diese Pilze in das Innere der Feinwurzeln eindringen. Mit rund 80 % ist die Endo-Mykorrhiza die weltweit häufigste Form dieser Lebensgemeinschaft und wird überwiegend von Jochpilzen (Glomales) gebildet. Anders als bei der Ekto-Mykorrhiza sind die Veränderungen an der Wurzeloberfläche nicht erkennbar und es werden auch keine Fruchtkörper gebildet. Die winzigen Sporen sind nur unter dem Mikroskop zu sehen. Diese Symbiose ist eine der ältesten und erfolgreichsten Über lebensstrategien der Natur – und gerade im urbanen Kontext oft der entscheidende Faktor für einen gesunden Baumbe stand. Sie stellt ein hochkomplexes, gegenseitiges Austausch system dar, das sich über Millionen Jahre evolutionär bewährt hat. Das Verständnis und die gezielte Förderung dieser Part nerschaft eröffnen heute neue Möglichkeiten, um städtisches Grün widerstandsfähiger und zukunftssicher zu gestalten.

Ekto-Mykorrhiza sichtbare Partnerschaft

Der Begriff ektos (griech. „außen“) beschreibt, dass diese Pil ze die Feinwurzeln der Bäume äußerlich umhüllen. Unter den Ekto-Mykorrhizen finden sich ganz unterschiedliche Arten: schmackhafte wie Trüffel oder Steinpilz, ungenießbare wie der Gallen-Täubling und giftige wie der Fliegenpilz. Fast alle bil den Fruchtkörper, die mit bloßem Auge erkennbar sind, lassen sich auch direkt an den veränderten Feinwurzeln identifizieren. Typische Symbiosepartner sind Eiche, Buche, Hainbuche, Tan ne, Fichte, Kiefer sowie einige weitere Baumarten.

Typische Symbiosepartner sind Ahorn, Platane, Rosskastanie und zahlreiche Obstgehölze.

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